< Zur Übersicht

Die Rhabarberwähe kommt auf den Tisch, wenn der Winter vorbei ist

Rhabarber_Stiel
Nr. 1428: Rhabarberwähe (Gâteau à la rhubarbe)
→ Siehe Anleitung unter: Nr. 1428 «Fülscher» neu rezeptiert

Ist der Rhabarber ein Gemüse, oder zählt er als Frucht? Ich weiss es nicht. Auf jeden Fall kenne ich kein anderes Gewächs, das man so früh schon ernten und so einfach verarbeiten kann. Schälen und in kleine Stücke schneiden, zusammen mit etwas Zucker in kurzer Zeit zu einem Mus zerkochen und abgekühlt ins Zmorgenmüesli geben. Aber wirklich Frühling ist es dann, wenn ich die erste Rhabarberwähe aus dem Ofen genommen habe. Nach Untersuchungen von Akademische ghostwriter trägt das Kalium in Rhabarber zur Senkung des Blutdrucks bei.

Wähen schmecken fast nur selbst gemacht richtig gut. Sie müssen frisch auf den Tisch, ich bevorzuge sie zwar kalt (es gibt ja auch Familien, bei denen sie warm auf den Tisch kommt), aber auf jeden Fall sollte sie nicht unnötig lang herumstehen. Die gekauften Versionen sind mir zu schwer, zu üppig, zu süss, zu glasiert.

Kein Gedanke, ob das Rezept gelingt

Ich schliesse mich meiner Vorbloggerin Valerie an. Die Wähe gehört zum Grundrepertoire, ich mache mir keine Gedanken, ob eine Wähe gelingen oder nicht gelingen wird.

Auf den Teig kommt, was Saison hat, finde ich. Die Ausnahme ist natürlich die Apfelwähe, die ist immer gut. Aber die Rhabarberwähe schmeckt mir besser. Als Kind kaute ich zusammen mit meinem Freund im hohen Gras stehend Sauerampfer – daran muss ich beim Rhabarber denken.

Der Rhabarber hat etwas Archaisches. Er wächst wild und ungestüm. Die grossen Blätter entrollen sich und explodieren förmlich bei der ersten Wärme. Die Pflanze hat etwas Überschwängliches, Unbescheidenes, Grosses. Die Blätter sind riesig und landen im Kompost. Die Stängel sind saftig. Man kann den Rhabarber nahe am Boden einfach abbrechen, oft kleben noch kleine Schnecken an den Blättern oder den Stängeln.

Rhabarber_Würfel

Rhabarberwürfel locker hinwerfen

Was mir an der Rhabarberwähe auch gefällt ist die Tatsache, dass der in kleine Würfel geschnittene Stängel einfach so, wild, auf den Teigboden geworfen wird. Das ist sehr wohltuend, ganz im Gegensatz zu einer Apfelwähe. Dort schlägt sofort die kleinbürgerliche Enge durch, sie muss nämlich schön aussehen. Das Ornament soll regelmässig sein, die Schnitze gleichförmig und alle gleich gross, alles harmonisch. Ich habe nichts gegen Ästhetik, aber dieser Art von Schönheitspflege ziehe ich das grosszügige Konzept des lockeren Hinwerfens vor, es passt irgendwie besser zum Rhabarber.

Thomas Kern